Von Unwetter, Action und der erstaunlichen Regenerationskraft der Natur

Lange Zeit habe ich geglaubt, dass Unwetter wie man sie im Fernsehen sieht bei uns eigentlich nicht möglich sind. Und bisher sind wir auch immer wieder gut davongekommen. Sieht man Überschwemmungsberichte im Fernsehen, überlegt man zwangsläufig ob einem das in den eigenen vier Wänden auch passieren kann. Unser Haus steht dem Wasser gottseidank nicht im Weg, es müsste erst einige Häuser oberhalb dem Unseren wegspülen. Von daher also keine Bedenken! Welche Möglichkeiten gibt es dann noch, dass ein Keller unter Wasser steht? Kanal! Aber da müsste es so viel regnen, dass es sich aus dem Kanal zurückstaut und in den Keller drückt! Unwahrscheinlich – so dachte ich bis zum 25 Juni 2016.

An diesem Tag wurde ich eines Besseren belehrt! Gegen Abend zog am Horizont von Südwesten eine Wetterfront auf, wie ich sie noch nie gesehen hatte. Leider habe ich diesen Anblick nicht fotografiert, aber beim nächsten mal – und ein nächstes Mal wird es meiner Meinung nach geben – wenn ich so etwas sehe werde ich schleunigst Vorbereitungen treffen, soweit man das natürlich tun kann.

Was dann kam möchte ich in den nächsten Zeilen einmal grob schildern: Sinnflutartiger Regen, mit Hagel und Sturm so wie ich es noch nie gesehen habe, garniert mit Stromausfall, war der Auftakt der Party. Die Straße vor unserem Haus verwandelte sich in einen Fluss und das bisher als unwahrscheinlich Gegoltene traf tatsächlich ein. Die Kanalisation konnte die Wassermassen nicht mehr bewältigen und drückte das Abwasser über die Kanalrohre in den Keller. Heizung, Holzkeller ca. 5 cm unter Wasser, Stromausfall – kurzum Ausnahmezustand bei uns im Hause aber auch im restlichen Dorf – wobei wir im Nachhinein betrachtet noch einmal mit einem blauen Auge weggekommen sind. Die Leute die direkt am Bach wohnen, hatten wirklich erhebliche Schäden.

Der Spuk dauerte eine gefühlte Ewigkeit, denn es wollte einfach nicht mit dem Regnen nachlassen. Strom hatten wir auf alle Fälle erst nach ungefähr 3 Stunden wieder! Nach dem Abklingen der Regenfälle lief das Wasser im Keller auch wieder brav in den Abfluss zurück und Räume waren mit Körpereinsatz dann auch relativ bald wieder wasserfrei – zumindest kein stehendes Wasser. Die übrige Feuchtigkeit erledigten zwei Bautrockner in der darauffolgenden Woche, die uns ein Freund freundlicherweise geliehen hat.

Nachdem wir unsere Heimstätte in der Nacht erst einmal unter Kontrolle gebracht hatten und das Gröbste überstanden war, bin ich mit Stirnlampe zu meinem Permagarten um nach dem Rechten zu sehen. Was ich da sah hielt ich ebenfalls nicht für möglich. Der Teich stand trotz 100mm KG-Rohr als Ablauf ca. 1 Meter über Normalniveau. Das ist ein Problem, denn wenn sich der Erdwall, der die Wassermaße in Zaum hält mit der Zeit ansaugt und dann ins Rutschen kommt, na dann ….. schluß mit lustig!

Das Wasser musste also schnellstmöglich weg und so versuchte ich, bis zur Hüfte im Wasser, bei Nacht mit Stirnlampe bewaffnet, den Ablauf ausfindig zu machen und nachzudenken was man tun kann. Die Feuerwehr war sowieso völlig überfordert und sie hatte auch wichtigeres zu tun als einen Naturteich auszupumpen. Daher sollten vier Gartenschläuche erstmal Erste Hilfe geben, die zumindest etwas Wasser auf die Nachbarwiese überleiteten, wobei das natürlich unwesentlich war. Ca eine halbe Stunde versuchte ich mit einer Verlängerung des Ablaufs das Wasser irgendwie dosiert in den regulären Abfluss zu bringen. Das Rohr einfach zu entfernen wäre keine gute Idee, denn dadurch würde allzuviel Zeug (Gras, Blätter, usw) mit in den Ablauf gespült, so dass die Drainage, in die mein Ablauf letztlich mündet, bald verstopft wäre. Dass würde dann, wie bereits im Frühjahr 2015 erlebt, gröbere Eingriffe mit Bagger usw. auf Nachbars Wiese bedeuten. Und das gilt es unbedingt zu vermeiden!

Völlig durchnässt und schlotternd vor Kälte gab ich dann irgendwann auf und bin dann schnell nach Hause um eine heiße Dusche zu nehmen. Glücklicherweise war der Strom wieder da sonst wäre ja auch das nicht möglich gewesen, denn im Prinzip geht ja alles, aber ohne Strom läuft nichts oder eben nicht viel – ausser Wasser wo man es nicht haben will aber nicht im Haus aus der Leitung!

Meine Frau besorgte mir dann von guten Bekannten eine Fischerhose mit der ich dann einen zweiten Versuch unternahm. Irgendwann gegen Mitternacht hatte ich aber die Schnauze voll, befestigte das Netz, welches den Ablauf vor Gras und anderem schwimmendem Zeug bewahren soll, um einen 90 Grad KG-Rohrbogen und steckte ihn in ca. 80cm Tiefe auf den Abfluss. Dann überließ ich das Ganze dem Geschehen, denn ich war völlig fertig und hatte wirklich keine Lust mehr.

 

Am nächsten Morgen, als ich dann den Ort des nächtlichen Einsatzes aufsuchte, war der Teich wieder auf Normalniveau und es schien als wäre nichts gewesen. Fast so als wäre alles nur ein schlechter Traum gewesen, wobei mich allerdings der Blick in den Gemüsegarten und vor allem auf das Hochbeet mit den Kürbispflanzen sehr schnell wieder mit der Wirklichkeit konfrontierte.

Kürbispflanzung (5)

Das Ausmaß des Dramas!

Bis dato gedieh alles wunderbar und es hätte eine gute Ernte werden können. Normalerweise müsste man beim Anblick der Schäden alles rausreißen, vor allem weil die Stängel der Pflanzen zum Teil total abgeknickt oder gar zur Hälfte durch die Hagelkörner aufgeschlagen waren. Aber völlig resigniert schrieb ich das ganze Gemüse einfach ab und ließ dem ganzen dann freien Lauf, nicht weil ich glaubte „das wird schon wieder“ sondern weil ich einfach keine Lust mehr hatte wieder von Vorne anzufangen. Zwei Wochen später wollte eigentlich der Gartenbauverein meinen Garten besichtigen und ich sollte etwas über mein Projekt erzählen, aber aufgrund der Folgen dieses Unwetters sagte ich den Termin ab!

Kürbispflanzung (1)

Von den Hagelkörnern völlig zerflederte Kürbisblätter!

Aber wie es sich schon so oft in den fünfeinhalb Jahren meines Permaprojekts herausstellte, erwies es sich wieder einmal als völlig richtig erst einmal abzuwarten und gar nichts zu tun – wirklich nichts! Und oh Wunder – zu meiner Überraschung erholten sich die Gemüsepflanzen und vor allem die Kürbisse, wider Erwarten, hervorragend und letzteren kann man beim Wachsen fast zusehen.

Alles in allem habe ich durch dieses Unwetter wieder einiges gelernt und meine Philosophie des „Erst einmal Beobachten“ erneut bekräftigt!

Man könnte auch sagen, es gibt nichts Schlechtes was nicht auch wieder irgendwas Gutes in sich hat, denn auch der Keller ist dank der Bautrockner jetzt so trocken wie eigentlich noch nie!

Und jetzt noch einige Eindrücke von meinem Garten – Stand Mitte Juli 2016 drei Wochen nach der Katastrophe!

Bauerngarten (4)Bauerngarten (2)

Bauerngarten (3)Kürbispflanzung (3)

Kürbispflanzung (4)Kürbispflanzung (9)

 

 

 

 

 

 

 

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