Terra Preta Vererdung – aktueller Stand

Lasst uns doch mal nachschauen, inwieweit sich die im Herbst 2012 angesetzte Terra Preta Erde entwickelt hat. Kurz vorweg: seit dem Aufsetzten der Mieten habe ich keine Veränderungen mehr vorgenommen. Es wurde von mir nur ein oder zweimal gegossen und später dann noch mit Mulch abgedeckt. Ansonsten gab es nur Feuchtigkeit von Oben, also Regen. Auch wurden keinerlei andere Stoffe wie Steinmehl o.ä. mehr hinzugegeben. Alles ist nach wie vor so, wie im Herstellungsvideo beschrieben.

Diese schwarze Erde sieht meiner Meinung nach schon recht ordentlich aus. Da im Ausgangsmaterial doch noch recht grobe Teile vorhanden waren, ist es offensichtlich, dass diese noch nicht vollständig zersetzt und umgesetzt sind.

Dass das Aussehen noch lange kein Qualitätsurteil ist, dessen bin ich mir durchaus bewusst und ich möchte auch kein Urteil darüber abgeben ob das nun „echte“ Terra Preta ist oder nicht. Letztlich bestimmen die Pflanzen, die künftig darauf wachsen sollen, ob diese schwarze Erde die Erwartungen erfüllen kann – und das bleibt abzuwarten!

Anmerkung: Mittlerweile stehe ich dem ganzen Terra Preta Hype etwas skeptisch gegenüber. Herstellungsvarianten gibt es ja mittlerweile einige und natürlich hat jeder die einzig Richtige und beste Mischung zur Herstellung gefunden. Es wird von gigantischen Ernten usw. berichtet. Ehrlich gesagt glaube ich das Ganze nur bedingt.

Bedingt dahingehend, weil ich der Meinung bin, dass das Ergebnis der ganzen Schwarzerde Experimente maßgeblich von der Ausgangsbasis, sprich vom ursprünglichen Mutterboden abhängt. Wer bei sich von Natur aus eher mageren und „schlechten“ Boden vorfindet, könnte in der Terra Preta durchaus die gesuchte „Wundererde“ finden. Verfügt man jedoch bereits über guten, humosen Boden der dann noch mit Kompost und schonender Bearbeitung gepflegt wird, dann werden sich die positiven Auswirkungen der Terra Preta sicherlich in Grenzen halten.

Noch kurz was zur Herstellung der sogenannten Terra Preta! Meine bisherigen Erfahrungen, Erkenntnisse und nicht zuletzt der gesunde Hausverstand besagen mir folgendes:

Man setze eine Kompostmiete vermischt mit Holzkohlen(staub) an! Und dann, ganz wichtig, genügend Zeit für die Vererdung geben! Das ist alles!

Zum Kompost gibt es natürlich noch viel mehr zu sagen. Wenn der Komposthaufen stinkt und das war bei mir eher bei den hochgelobten Kunststoff-Schnellkompostern der Fall (da hatten wir uns mal einen zugelegt – den gibt es aber schon lange nicht mehr!), dann läuft etwas schief!

Die Kompostmiete die ich neben der „Terra Preta Versuchs-Miete“ vor fast eineinhalb Jahren angelegt habe zeigt, dass auch größere Bio-Abfallplätze nicht stinken müssen. Der wichtigste Punkt beim Anlegen von solchen Mieten, wie auch bei der Terra Preta, ist die Vielfalt. Das heißt ganz kurz gesagt: Grobes mit Feinem, Feuchtes mit Trockenem, Kräuter (Schafgarbe, Brennessel, …) und ein wenig Gehölzhäcksel. Wenn etwas Mist zur Verfügung steht oder eigene Fäkalien – auch gut!

Auch hier lässt es sich wie so oft wieder reduzieren auf den Satz: Vielfalt erhält das System und nicht Einfalt!

Auffällig ist, dass die Menschen oft glauben sie benötigen irgendwelche „Zauberzutaten“ und dann wird nach dem heiligen Gral oder besser nach dem heiligen Ritual zur Terra Preta Herstellung gesucht. Meines Erachtens Zeitverschwendung! Ich halte es auf Basis meiner Lebenserfahrung, wie bei so manch anderen Dingen, eher nach dem K.I.S.S. Prinzip – Keep It Simple and Stupid! Für Alle, die mit der „Wundererde“ Geschäfte machen wollen ist so eine einfache Sichtweise natürlich nicht gut!

Im folgenden kurzen Film soll dann der momentane Stand meines Terra Preta Experiments sowie die Erde in der Wurmfarm und auch der Vererdungsstand in der Kompostmiete dokumentiert werden.

Über Kommentare, Kritik,…. würde ich mich freuen!

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6 Kommentare

  • Terra Preta Hype, gut umschrieben. 🙂 Wir sind Jahrhunderte ohne Terra Preta ausgekommen und werden das auch weiterhin.

    • Rob

      Servus Ralf,

      hab mir soeben deinen Fernsehauftritt im WDR angeschaut. Prima Auftritt! Super!

      Zur Terra Preta:
      Das sehe ich fast genau so, dass wir eigentlich ohne diese Terra Preta – oder wie man es auch nennen mag – auskommen könn(t)en.

      Das wir sie Jahrhunderte nicht gebraucht haben ist schon richtig. Die Bewirtschaftungsweise war aber über Jahrhunderte auch eine andere! Und darin liegt meiner Meinung nach der Knackpunkt. Die Landbewirtschaftung hat sich die letzten 30-40 Jahre stark verändert. Die Bodenpflege, Humusaufbau und Erhalt, wie es über die Jahrhunderte üblich war, gibt es vielerorts nicht mehr. Aus dem Erhalt des Bodens ist nun ein schrittweiser Humusabbau geworden.

      Vor einiger Zeit habe ich mich selbst gefragt, warum ein Bauer seine Bewirtschaftung ändern soll. Es passt doch! Jedes Jahr werden, bei uns zumindest, relativ gute Ernten eingefahren, dann gepflügt, über den Winter kahl liegengelassen (Stichwort Frostgare!) und Fruchtwechsel – wenn man Mais abwechselnd mit Getreide (und wenn man Glück hat als Gründüngung noch mal Senf!) so bezeichnen will! Ist doch alles wunderbar! Wo liegt also der Hacken?
      Der Hacken liegt meiner unmaßgeblichen Meinung nach darin, dass die Rechnung ohne die Natur gemacht wird. Natur „denkt“ nicht in Jahren sondern in Jahrzehnten bzw. Jahrhunderten. Fazit: Die 30cm die die Welt ernähren, welche die Natur über einige tausend Jahre aufgebaut hat, verschwinden mehr und mehr. Das geht nicht von heute auf morgen. Die Industriealisierung der Landwirtschaft ist noch relativ jung. Und was schert es einen (alten) Bauern, was in 50 Jahren ist!

      Die Landwirtschaft in naher Zukunft muss sich also doch irgendwie Gedanken machen, wie sie die Bodenfruchtbarkeit aufrecht erhalten kann. Das wäre schon richtig, aber vielleicht glauben ja viele, dass sie mit der „Wundererde“ den Boden dann noch mehr schinden und ausbeuten können. Das wäre dann wieder der Nachteil.

      Wie auch immer, ich mache das Ganze eigentlich nur, weil es mich interessiert, weil ich gerne forsche. Ob sich das Zeug dann in der Praxis bewährt, und nur darum geht es, wird sich herausstellen – wie im Artikel bereits geschrieben.

      Ich hege keine Erwartungen – das habe ich mir abgewöhnt! 😉

  • Hallo ihr Beiden,

    interessanter Meinungsaustausch besonders die Antwort von Robert hat den Nagel voll auf den Kopf getroffen. Dazu muss ich natürlich auch meinen Senf dazugeben.

    Terra Preta ist kein Wundermittel sonder eine Lebensweise, eine Einstellung, die wenn wir sie anwenden erst unsere Kinder wieder zu Gute kommen wird.

    Wir habe jahrelang mit unseren Mitelchen das Maximum aus unserer Erde raus geholt. Doch der eigentliche Schatz ging dabei verloren. Jetzt versuchen wir mit den Nachstellen einer erfolgreichen Lebensweise diesen Schatz wieder zu bekommen und müssen feststellen dass es nicht funktioniert weil wir unsere Lebensweise eigentlich nicht wirklich ändern wollen.

    Zum Schluß zitiere ich noch mal Robert:

    „Ich hege keine Erwartungen – das habe ich mir abgewöhnt!“

    und das möchte ich erweitern mit

    „Denn wir haben einer Verantwortung und das müssen wir uns angewöhnen.“

    Oder wie es ein altes Indianer Sprichwort formuliert:

    „Wir haben die Erde nicht von unseren Eltern geerbt, sondern von unseren Kindern geliehen.“

    Gruß

    Stefan v. Hochfeld

  • Sybille

    Hallo,
    bin zufällig hier gelandet. Meine Frage: Wie ist denn nun der Stand (also 2016) i.S. Terra Preta?
    Wurden schon Versuche gemacht ob man mit dieser Erde tatsächlich mehr erntet.
    Danke vorab für die Info.
    FG Sybille

    • Rob

      Hallo Sybille,

      die Versuche mit Terra Preta habe ich eingestellt. Ich habe keine Verbesserungen feststellen können. Meine momentane Meinung hierzu ist, dass wir hier in Mitteleuropa keine derartige Wundererde brauchen, da wir in der Regel sowieso ausreichend fruchtbare Erde haben (Ausnahmen kann es geben!). Ich konzentriere mich daher lieber auf die konsequente Pflege des Bodens. Ein weiterer Punkt ist der Aufwand für Terra Preta. Steht das noch in einem Verältniss zum Nutzen?

      Gruß
      Robert

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