Schneckenplage

Bei einem meiner letzten Besuche war ich (anfangs) echt erschüttert. Es war Abend, das Wetter warm aber feucht. Der Blick auf die am Fuße des Komposthaufens gepflanzten dreierlei Kürbisspflanzen verhieß nichts Gutes. Schnecken ohne Ende! Eine Jungpflanze wurde bereits komplett vernichtet, zwei konnte ich in einem mehr oder weniger desolaten Zustand  noch retten. Nachdem ich die Beiden notdürftig umgepflanzt hatte und es schon dämmerte, verschaffte ich mir noch einen allgemeinen Überblick über das ganze Ausmaß. Um es kurz zu machen, ein normaler Gärtner hätte wahrscheinlich zu weinen begonnen. Ich hab noch nie in meinem Leben so viele junge Schnecken gesehen. Mal abgesehen von den jungen Kohlrabis die sie fast zu 100 Prozent vernichteten, stellte ich auch fest, dass auch die normalerweise nicht angetasteten Wildkräuter extrem befallen waren. Schnecken labten sich an geschlossenen Löwenzahnblüten, die Schafgarbe am Teich war direkt bespickt mit diesen Schleimern. Was läuft hier falsch? Was kann ich tun? Warum ist das so?

Meine erste Idee waren natürlich Laufenten. Teich und somit Wasser wäre da, Kulturgemüse hätte ich nicht viel zu verlieren und sie hätten sicherlich ein Paradies. Aber wäre das Richtig oder wird damit nur das Symptom bekämpft? Letzteres wäre wahrscheinlich der Fall. Außerdem müsste ich für die Tiere dann einen Stall bauen usw. – letztlich habe ich durch die Tierhaltung dann tägliche Pflichten. Aber das will ich momentan noch nicht!

Momentan bin ich zu dem Schluss gekommen, dass das Gesamtsystem einfach (noch) nicht im Gleichgewicht ist. Natürliche Feinde der Schnecken fehlen einfach noch, obwohl m. E. die Lebensräume geschaffen wären (Teich, Totholz- und Steinhaufen). Ein weiterer Punkt für diese Schneckeninvasion ist wahrscheinlich das dicke Mulchen der Anbauflächen über den Winter. Obwohl diese wärmende Schicht dem Bodenleben zwar zu Gute kommt, werden natürlich traumhafte Bedingungen für eine Schneckenfabrik geschaffen.

Das natürliche Gleichgewicht kann ich aber nicht erzwingen und es wird wahrscheinlich noch etwas dauern bis sich eine Selbstregulation einstellt. Da für mich jegliche Chemie sowieso tabu ist und der mechanische Schutz der anfälligen Sprösslinge zu viel Aufwand ist, kommt eigentlich nur eines in Frage: der Mensch muss sich anpassen! Dies fällt natürlich nicht jedem leicht, besonders für „normale“ Gärtner wäre das wahrscheinlich nicht möglich. Für mich aber ist das nicht schlimm, weil ich ein anderes Bild vor Augen habe, was eben nicht auf 2 Jahre zu realisieren ist.

Somit stellt sich jetzt eigentlich nicht mehr die Frage was ich tun kann, sondern eher die Frage was ich unterlassen kann – ganz gemäß Fukuoka!

Was kann ich also unterlassen? Das dicke Mulchen! Stattdessen lieber für einen ausdauernden Bewuchs sorgen! Und was kann ich noch unterlassen? Ja, den Anbau von anfälligem Gemüse! Ich wäre ja schon fast in die Falle getreten und zum klassischen Gärtner geworden – vorziehen, pikieren, auspflanzen und dann kämpfen – gegen Unkraut und Schädlinge bis zum (bitteren) Ende (entweder der Mensch oder die Schnecke geht zu Tisch) . Wer das machen möchte kann es gerne tun, aber nicht mit mir. Das mit dem Kulturgemüse ist ja sowieso so eine Sache zu der ich in einem gesonderten Artikel noch was zu sagen werde.

Also, nicht mehr „Xtrememulching“ und keine anfälligen Gemüse! Ja, da fällt einiges an Arbeit weg!

Was bleibt aber dann noch? Letztes Jahr habe ich beispielsweise Baumspinat gesät. Dieser hat fröhlich ausgesamt und keimt jetzt. Auch ein ausdauernder Lauch, der ebenfalls letztes Jahr gesät wurde entwickelt sich wunderbar – ohne Schnecken! Auch die vor drei oder vier Wochen gesteckten Zwiebeln wachsen fröhlich vor sich hin.

Nun mögen einige zu bedenken geben, dass sie doch auch gerne mal einen schönen Kopfsalat und Kohlrabi essen möchten. Kein Problem! Dieses Zeug wächst ab jetzt auf unserem weitgehend ungenutzten Balkon in steriler Blumenerde, unerreichbar für Schnecken in einem Blumenkasten und demnächst in einem fahrbaren modular aufgebautem Hochbeet. Das ist dann normales Gärtnern, hat aber mit Perma überhaupt nichts zu tun! Und wenn ich mich da im Internet so umschaue, verwechseln da meiner unmassgeblichen Meinung einige etwas!

Mein FAZIT: Diese „bösen“ Schnecken haben mein Verständnis für die Natur wieder etwas erweitert und mich vor einem großen Fehler bewahrt! Somit ein herzliches Dankeschön an die Schnecken. Dafür dürfen sie auch noch ein paar Maispflanzen auffressen! 😉

Schneckenplage - ohne Worte

Schneckenplage – ohne Worte

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9 Kommentare

  • Servus Robert,

    ja das mit den Schnecken ist heuer besonders schlimm.

    Hier mal zwei Entdeckungen der Menschheit. Bekannt sind sie wahrscheinlich schon aber so direkt hintereinander gelesen, da könnte dem einen oder anderen ein Lichtlein aufgehen.

    Dr. Carsten Schirarend vom Botanischen Garten der Universität Hamburg meint: Kaffee enthält wertvolle Nährstoffe, Mineralien wie Kalium, Phosphor und Stickstoff die beim Aufbrühen nicht vollständig heraus gelöst werden. Kaffee eignet sich somit sehr gut als Dünger.

    Und dann gibt es da noch die Forscher aus Hawaii. Die bei der Suche nach einem Mittel gegen einen eingeschleppte Froschart entdeckten das Pflanzen die mit Koffeinlösung besprüht wurden Schnecken frei blieben. Diese Lösung sollte sogar effektiver als herkömmliches Pflanzenschutzmittel sein.

    Siehe auch: Mit Bohnenkaffee gegen Schneckenfraß — http://www.nabu.de/oekologischleben/balkonundgarten/gartentipps/00546.html

    PS: Aber der gute alte Bohnenkaffee wird, im Pad Zeitalter, auch immer seltener 🙂

    Stefan v. Hochfeld

    • Rob

      Hi Stefan,

      herzlichen Dank für diesen wertvollen Tip. Das werde ich ausprobieren. Das Gute oder in diesem Fall liegt ja immer so nah. Bei uns in der Fima fällt täglich einiges an Kaffesatz an. Ich hab ja auch schon überlegt, das Zeug für meine Würmer mitzunehmen – die lieben nämlich Kaffeesatz. Das wären ja dann zwei Fliegen mit einer Klappe – Würmfutter und gleichzeitig Schneckenabwehr. Scheint ja wunderbar zu sein! Da bin ich ja mal gespannt. DANKE Stefan!

      • Silvicola

        Hallo Rob,

        seit über 16 Jahren gartel ich nun im Bayerwald, aber ich habe die Erfahrung gemacht, dass sich da nichts reguliert. Ich habe schon die Nützlinge gefördert, als noch niemand über dieses Thema sprach, da mein Garten schon immer eine Oase für Tiere und Pflanzen sein sollte. Die Spanische Wegschnecke frisst niemand von unseren einheimischen Tieren, da sie bitter ist.
        Da ich schon immer Hühner halten wollte, habe ich mir letzten Herbst welche angeschafft, und habe das Gefühl, dass die Schneckenplage etwas nachlässt. Es sollten aber schon an die 10 St. incl. Hahn sein bei einem Hektar. Und sie müssen frei herumlaufen können, wenn man sie in einem Eck einzäunt, bringt es natürlich nichts.
        Noch ein Wort zum Mulch: Wo Mulch ist, findet man viele Schnecken, ist kein Mulch da, suchen sie sich andere Verstecke, aber da sind sie trotzdem, es sei denn, man hat einen völlig sterilen Garten ohne Bewuchs mit viel Beton, was ich nicht will. Also mulche ruhig weiter.

        Gruß Silvicola

        • Rob

          Ich bin mit dir völlig einer Meinung. Die spanische Wegschnecke hat hier keine natürlichen Feinde! Um trotzdem den Schnecken etwas entgegenzusetzen, habe ich genau deine Variante mit den Hühnern vorgenommen. Hierzu möchte ich auch noch einen Blogbeitrag schreiben.

          Danke für deinen Erfahrungsbericht!

  • Silvicola

    Ergänzung: Ich wollte doch noch etwas zu Kaffeesatz sagen: Als Dünger ist Kaffeesatz prima, wenn er gegen Schnecken helfen soll, muss man wahrscheinlich sehr große Mengen um die Pflanzen verteilen. Bei mir hat es nichts gebracht. Ich kann nicht so großzügig Kaffeesatz verstreuen, da ich nur den eigenen Biokaffee verwende, Nichtbiokaffe kommt mir nicht aufs Beet. Bei den Gemüsepflanzen setze ich vorwiegend auf Direktsaat, denn die gepflanzten Setzlinge sind immer zuerst weg.

    Gruß Silvicola

    • Rob

      Kaffesatz habe ich mal einige Tage eimerweise aus unserer Firma rausgetragen und um die Pflanzen gestreut. Was hat’s gebracht? Fast garnichts!

      Mittlerweile bin ich recht vorsichtig geworden mit Aussagen was angeblich gegen was helfen soll, oder wie man etwas machen muss oder soll.

      Es geht doch nichts über die eigene Erfahrung, nur das dauert halt ein bisschen! 😉
      Und genau das ist meine Joker – ich habe Zeit, ich muss nicht im nächsten Jahr Selbstversorger sein, ich schaffe („arbeiten“ sage ich nicht mehr dazu!) wenn ich Lust, Laune und Inspiration habe – egal was sich andere Leute denken könnten oder sagen sollten!

      • Hallo Ihr beiden,

        da ist was wohl falsch verstanden worden.
        Es ist nicht der Kaffeesatz sonder das Koffein das die Schnecken vertreibt. Es wurde festgestellt das eine 0,01% Lösung bereits den Appetit der Schnecken mindert.
        Ab einer Konzentration von 0,5% wird es dann für die Schnecken tödlich. Bohnenkaffee hat frisch aufgebrüht ca. 0,05 %.
        Berücksichtigt man die natürliche Verdünnung, nach dem Ausbringen, kann man, bei einem frischen Kaffee, eher den Schnecken den Appetit verderben als sie vertreiben.

        http://www.stern.de/wissen/natur/schaedlingsbekaempfung-kaffee-hilft-gegen-schnecken-249085.html

        Interessant ist dieses für mich dennoch und sicher besser als so manches Schneckenkorn.

        Stefan v. Hochfeld

        • Rob

          Servus Stefan,

          ja, du hast recht, es ist das Koffein. Ich kenne die Artikel und die Prozentangaben. Allerdings bringt mir das alles nichts, denn obwohl ich für einen Normalbürger relativ viel Kaffeesatz zur Verfügung hätte, ist diese Methode in meiner Welt nicht praxistauglich. Ich will nicht die ganze Woche Kaffesatz streuen müssen nur um ein paar Pflanzen durchzubringen – da kann ich die Schnecken ja gleich absammeln – und das werde ich nicht machen!

  • Düsi

    Hallo 🙂
    Ich bin seit 12 Jahren am gärtnern und habe anfangs viele/sehr sehr viele Schnecken gehabt. Dann hatte ich mal gelesen, dass Weinbergschnecken die Gelege der Nacktschnecken fressen. Also bin ich losgewandert und habe immer im Frühjahr ein paar Weinbergschnecken gesammelt und im Garten ausgesetzt.. Sie überwintern in der Erde unter meiner Hecke. Da ich nicht gifte, sind Weinbergschnecken, meine jährlich wiederkehrenden Frösche, (die im Teich leichen) und meine Igelmama meine besten Gartenfreunde geworden. Für Mama Igel habe ich mehrer Haufen angelegt. Es hat genug Platz. Mein Sohn regt sich zwar immer auf und will das trockne Reisig verbrennen. Ich verbiete es ihm jedesmal und erkläre diesem fast 40-jährigen Tierfreund: das sind Igelhaufen und die rührt mir keiner an!!!! Vor 2 Jahren gab es 6 Jungigel, ich war happy!!!!! Dann habe ich nie Salat angebaut. Ein Gartensalat aus Rauke,- Löwenzahn- und Spitzwegerichblättern ist viel nahrhafter und gesünder. Die Schnecken mögen diese Blätter nicht und ich freue mich über eine ausgiebige Ernte. Leider sind meine Kartoffeln jedes Jahr dran :-(. Früher habe ich Schneckenkorn ausgelegt, weil draufstand für Igel ungefährlich, doch dann lag mein erster Igel mit einem riesigen Geschwür tot in meinem Garten. Von da an habe ich gesalzen (also ich bin jedesmal fast mit gestorben!) neeee mache ich auch nicht mehr!!!!! Ablesen und Bierfallen, naja ablesen und wohin? Übern Zaun auf die Kuhwiese, eeeeehm die waren am nächsten Tag wieder bei mir. Bierfallen, wenns regnet verdünnt sich das Bier und es stinkt nach Verwesung!!!! Und andere Tiere wie Insekten landen leider auch da drin. Mein Fazit heute. Ich achte auf meinen Igel!!!!! Die Weinbergschnecken vermehren sich prächtig, diese Schaumgelege der Nacktschnecken haben sich drastisch reduziert. Ich mähe nicht mehr so oft Rasen, es entsteht eine Wiese. Klee, Löwenzahn, Spitzwegerich, Gundermann, kriechender Günzel, Gänseblümchen, Veilchen, Schlüsselblumen usw. usw. usw. Alles Gewächse für Salat und oder Tee. Was will ich denn noch mehr? Die Nacktschnecken sind jetzt zur Nachbarin auf den tollen Rasen ausgewandert. Und Mama Igel braucht noch Futter für die Kleinen, die es Ende Juni geben könnte. Sie hatte neulich nachts ganz eilig Gunderman (entzündungshemmendes Kraut) und Günzel. Gras und was weiss ich nicht alles noch zusammengesammelt/gezupft und verschwand unter meiner Gartentruhe. Hoffentlich wachsen meine Königskerzen schneller, denn die Kleinen (Igelkinder) verstecken sich am Tag gern darunter. Borretsch und Bienenfreund sind auch kein Schneckenfutter aber gute Verstecke für die Übliche Gartenschmecken mit Häuschen. Zudem blühen sie toll, säen sich selber aus und es wimmelt voller Bienen und Hummeln. Wenn alles verblüht ist und etwas zu sehr wucherd, dann entferne ich immer ein paar Pflanzen. So hat jeder was davon und ich meine Freude

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