Praktische Umsetzung der Agroforstanlage

die letzten beiden Artikel wurden den Grundlagen sowie den Vor- und Nachteilen von Agroforstsystemen gewidmet. Wie bereits erwähnt, sollte es dieses Frühjahr dann aber auch praktisch umgesetzt werden. Und dies war vor einigen Wochen dann auch der Fall.

Bezüglich Baumwahl habe ich mich für 15 Vogelkirschen der Herkunft Lilienthal und 10 Spezialnussbäumen „Juglans Intermedia“ entschieden. Beide Selektionen sind für Wertholzproduktion bestens geeignet und glänzen auch durch relativ schnelles Wachstum.

Nun war die Frage wie diese auf bzw. um das Feld gepflanzt werden sollen. Hier gilt es meiner Meinung nach nämlich einiges zu bedenken. Zum einen ist auf einen ausreichenden Pflanzabstand zwischen einzelnen Bäumen zu achten. Normalerweise gilt die Faustformel Brusthöhenzieldurchmesser (BHD) x 25 ergibt den Pflanzabstand. Bei 0,6 Metern BHD wären dass dann 15 Meter. Hintergrund ist, dass die Bäume in ausgewachsenem Zustand genügend Platz für die Krone haben sollen. Eine Vogelkirsche hat nach meinen theoretischen Informationen im Alter einen Kronendurchmesser von ca. 10 Meter. Diesen Wert habe ich dann aber auch an einer bei uns im Ort befindlichen ausgewachsenen Vogelkirsche  überprüft. Und? Es stimmt – ziemlich genau 10 Meter!

Nussbäume dagegen bilden eine breitere Krone aus, was man bei der Pflanzung berücksichtigen sollte. Der Kronendurchmesser in ausgewachsenem Zustand dürfte mehr als 10 Meter betragen. Daraus folgen dann natürlich größere Pflanzabstände. Bei meiner intensiven Recherche im Vorfeld ist mir trotz dieser Informationen aufgefallen dass bereits gepflanzte Anlagen zum Teil oft wesentlich weniger Abstand zwischen den Bäumen aufweisen – zumindest subjektiv. Ein Gespräch mit Herrn Prof. Spiecker von der Uni Freiburg ergab dann aber, dass es vor allem wichtig ist, dass sich die Bäume zumindest auf zwei Seiten weit ausdehnen können. Das bedeutet konkret, dass die Pflanzabstände in der Reihe geringer sein können, dafür aber die Reihenabstände entsprechend groß gewählt werden müssen.

In meinem Fall habe ich für die Vogelkirsche in der Reihe ca. 11 Meter Abstand und für die Nussbäume ungefähr 13 Meter gewählt. Es wurde aber auch darauf geachtet, dass sich die Bäume (gemäß obiger Info!) zumindest nach zwei Seiten ungestört ausbreiten können.

Ein weiterer Punkt den es zu beachten gilt sind die Lebensgemeinschaften und die Einflüsse der Bäume auf Boden und andere Pflanzen. Nussbaumlaub beinhaltet beispielsweise viele Gerbstoffe, wodurch sich dieses Laub relativ langsam zersetzt und angeblich keimhemmend wirkt. Obwohl ich diese Eigenschaften bisher nicht praktisch nachprüfen konnte, (ich habe zwar im Herbst einen Spezialkompost mit Walnusslaub  angelegt, aber Erfahrungen fehlen noch)  sollten sie bei der Pflanzung doch berücksichtigt werden. Aus diesem Grund wurden die Nussbäume zum Teil in die Hecke integriert und vier verbleibende an den Fuß des Feldes gepflanzt. Somit können die Gerbstoffe des zukünftig anfallenden Laubes zumindest keinen großen Einfluss auf die Feldkultur nehmen und durch Regen ausgewaschene Substanzen der Blätter durch das Gefälle nicht auf dem Feld verteilt werden (Ausnahme ist die Hecke, aber hier dürften sich die Einflüsse der Gerbstoffe auf ausgewachsene Sträucher nicht besonders auswirken!).

Das angefügte PDF zeigt die momentane Anlagenplanung und die Aufteilung der Bäume über das Feld. In der Mitte des Feldes besteht noch die Möglichkeit eine weitere Reihe Bäume zu integrieren. Dabei denke ich vor allem an Hochstammobstbäume die sich sowohl für Frucht- als auch zur Wertholznutzung eigenen. Dies soll aber auf einen späteren Zeitpunkt verschoben werden, da bezüglich Sortenwahl noch einiges abzuklären ist.

Hier der Link zur Seite mit dem aktuellen Planungsentwurf.

Und nachfolgend noch ein paar Fotos zu den beiden Baumsorten:

Hybridnuss mit Verbissschutz

Hybrid NussVogelkirsche

 

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