Lebender Weidenzaun

Seit einiger Zeit mache ich mir Gedanken darüber, wie man denn ein Gelände relativ natürlich einfrieden kann. Neben der Pflanzung von autochthonen Sträuchern wie ich es am Karsamstag bewerkstelligte, ist ein lebendiger Weidenzaun eine weitere Alternative die wunderbar in mein Permakulturkonzept passt. Warum?

Lebendige Weidenzäune haben meines erachtens mehrere Vorteile die man sich sehr einfach zu Nutze machen kann. Weiden können sehr einfach vegetativ vermehrt werden, nämlich durch Stecklinge. Sie sind meines Wissens fast überall zu finden und dadurch ist es sehr einfach an Pflanzmaterial zu kommen. Besorgt man sich Weidenruten aus wilden Gehölzen, sind sie in der Regel auch kostenlos. Ein weiterer Vorteil ist, dass sie angeblich recht zuverlässig austreiben und durch die enorme Lebenskraft recht üppig wachsen. Dies hat den Vorteil dass man recht bald einen Zaun in der gewünschten Höhe vorfindet. Ein weiterer Punkt war für mich, dass Material zum ausbessern des Zauns und um ggf. Lücken zu schließen gleich an Ort und stelle wächst und verwendet werden kann. Nicht zuletzt dient die Weide auch als wertvolle Bienentracht im Frühjahr, was für mich, gemäß meiner Planung, in den kommenden Jahren auch ein wichtiger Aspekt sein wird. In der Summe also ein echter Mehrfachnutzen!

Soweit die Theorie auf Basis meiner Internetrecherchen. Nun gibt es ja mehrere Möglichkeiten einen Weidenzaun zu gestalten. Anregungen gaben mir die Fotos folgender  Internetseite: http://www.weidenbau.at/weidenzaun/index.htm . Da ich aber über keine Praxis im Zaunbau mit Weiden verfüge, wollte ich erst mal langsam starten und deshalb habe ich mir nur ein ca. 10 Meter langes Teilstück  zwischen Teich und der ersten Heckenparzelle als Versuchsfläche vorgenommen.

Laut meinen Informationen sind die Ruten zwischen November und Februar zu sammeln. In meinem Fall geschah dies Anfang Februar, genau in der diesjährigen Kältewelle, in der das Thermometer zweistellige Minusgrade anzeigte. Dies hatte aber den Vorteil dass die geschlossene Schneedecke bestens gefroren war und man so recht bequem querfeldein über Wiesen und Äcker marschieren konnte ohne dabei in den Schnee einzusinken. Die Büsche die mir als Stecklinge dienen sollen,  habe ich mir bereits letzten Sommer ausgesucht. Allerdings konnte ich die Weidenart trotz Bestimmungsbuch nicht eindeutig bestimmen – es gibt ja mehrere hundert Sorten von Salix. Mit Schlitten und Gartenschere bewaffnet machte ich mich damals also auf den Weg und besorgte mir einiges an Material was ich mittels Spanngurt auf dem Schlitten befestigte und nach Hause zog. Die Ruten lagerte ich dann in unserem Keller unter der Garage, wo es mit 5 Grad kühl ist und auch relativ dunkel.

Vor einigen Wochen, als der Schnee bereits weg und der Boden nicht mehr gefroren war, war es dann so weit und der Theorie sollten Taten folgen. Zunächst hob ich an der Stelle wo sich der lebendige Zaun entwickeln soll die Erde Spatentief aus und mit dem Pickel wurde der Unterboden noch gelockert. Den Graben wässerte ich noch mit einigen Eimern aus dem danebenliegenden Teich. Da bei mir die Gartenarbeit immer recht gemütlich sein muss, ließ ich das Ganze erst mal so stehen.

Die Weidenruten samt Zweige wurden bereits einige Tage vor dem geplanten Stecken in den Teich gelegt um sich noch ordentlich vollsaugen zu können. Einige Tage später sollte dann das Stecken vollbracht werden. Davor musste ich allerdings erst noch die Seitentriebe wegzwicken, was man sinnvollerweise vielleicht gleich nach dem Sammeln machen sollte. Aber wie man gleich sehen kann, scheint die Weide auch eventuelle Fehler zu verzeihen. Nachdem also die Seitentriebe entfernt waren, wählte ich die stärksten Hölzer aus und begann mit dem Stecken. Über etwa 20cm entfernte ich noch die Rinde mit einem Taschenmesser – nur zwei kleine Streifen!. Dies sollte angeblich das Wurzelschlagen fördern. Keine Ahnung ob das wirklich so ist. Den Ansatz schnitt ich noch schräg an, so dass eine Spitze entstand um anschließend das Holz so weit wie möglich in die gelockerte Erde im Pflanzgraben zu drücken. Die Ruten wurden in Spatenblattbreite gesteckt. Bald war der Prozess abgeschlossen und der Graben wieder mit der zuvor ausgehobenen Erde zugefüllt. Um meinen Schützlingen noch mehr Erdreich zu geben, häufelte ich noch eine Reihe Erde drauf. Zum Schluss wurde das Ganze noch ordentlich gewässert und um Austrocknung zu verhindern noch gemulcht. Glücklicherweise wurde einige Tage zuvor einiges an Vertikutiermaterial von der frühjährlichen Rasenpflege geliefert. Da sieht man mal wieder wie wertvoll eigentlich Abfall sein kann! Vermutlich ist aber trockener Rasenmulch bei Wind relativ flüchtig und so beschloss ich diese Schicht noch mit Fichtenreisig abzudecken, was noch von meinem Heidelbeerbeet übrig war. Soweit so gut, jetzt lag es nur noch an den Weiden und mir blieb nichts weiter zu tun als abwarten. BILD0142 Lebender Weidenzaun In den ersten Wochen tat sich nicht viel und langsam wurde ich skeptisch. Da es für mich ja eigentlich nur ein Versuch ist nehme ich das Ganze auch relativ gelassen und neutral. Gestern habe ich dann aber doch mal wieder nachgeschaut und siehe da: BILD0144 Lebender WeidenzaunEinige Stecklinge haben bereits ausgetrieben, vor allem die Dünneren. Aber auch die etwas Stärkeren, welche ihrer Seitentriebe von mir beraubt wurden, zeigen deutliche Lebenszeichen. Dieses Jahr sollte der lebendige Zaun erst mal Wurzeln schlagen und sich stabilisieren. Nächstes Jahr kann man dann seiner Fantasie bezüglich Gestaltung freien Lauf lassen.

Fazit meines lebenden Weidenzauns: “I muas erle song… mi gfreit´s”  (Translation: Ich muss ehrlich sagen mich freut es!) icon wink Lebender Weidenzaun

Sorry für die schlechten Fotos! Ich muss mir mal eine vernünftige Kamera besorgen!

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